Wörterkoffer

22.04.2011 - 11:10 von Sieglinde Geisel (Kommentare: 0)

Seit drei Tagen ist meine Thomas-Harlan-Website (www.thomasharlan.com) online - damit verbunden die Hoffnung, das Werk über den Tod des Autors hinaus lebendig zu erhalten. Die Rezeption hat ja noch kaum begonnen.

Bei William H. Gass habe ich ein schönes Zitat gefunden, über William Butler Yeats: "Yeats invested his language with an original richness, as if every word were a suitcase he would open, rummage around in, and carefully repack, slipping a few extras in among the socks." (Fifty Literary Pillars, S. 50, in: Gass, A Temple of Texts, Urbana/Champaign, 2006). "Yeats hat seine Sprache mit einem originellen Reichtum versehen, als wäre jedes Wort ein Koffer, den er öffnet, um darin herumzuwühlen und ihn sorgfältig aufs Neue zu packen, wobei er ein paar zusätzliche Dinge zwischen die Socken schlüpfen lässt."

William H. Gass ist ein Beispiel für die Schlampigkeit unseres Kulturbetriebs. Wie ist es möglich, dass ein solcher Autor (geboren 1924) noch kaum übersetzt ist? In seinem Wissen über Sprache ist er uns allen weit voraus. Mit Sätzen wie "Shortly you will sense that something extraordinary is happening to the language" (in einem Aufsatz über Wallace Stevens, ebenfalls in "A Temple of Texts") versetzt er den Leser von einem Moment zum nächsten in gesteigerte Aufmerksamkeit.

Der ganze Tag ist anders, wenn man ihn mit einem solchen Satz beginnt.

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