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Buchcover: Nur im Weltall ist es wirklich still

Sieglinde Geisel
Nur im Weltall ist es wirklich still
Vom Lärm und der Sehnsucht nach Stille
Verlag Galiani Berlin 2010
Gebunden, 192 Seiten, 2. Auflage
Euro 16,95 (D) / sFr 24,90 / Euro 17,50 (A)
ISBN 978-3-86971-015-0

»Weil er sich durch Lärm belästigt fühlte, hat ein 52-Jähriger seinen 69 Jahre alten Nachbarn erschlagen. Anschließend zerstückelte er die Leiche und versteckte sie im Wald.« (Zeitungsmeldung)

Wer kennt ihn nicht, den Ärger mit den lauten Nachbarn, der vielbefahrenen Straße und dem Geschrei der Nachtigallen. Schopenhauer, Proust und Kafka klagten über Lärm, Carlyle ließ sich ein schallisoliertes Studierzimmer errichten, bei Kant landete ein zu lauter Hahn im Suppentopf. Doch freilich: Nichts ist persönlicher als die Geräuschempfindung. Was für den einen schön ist, ist für den anderen Tortur. Angeblich kommt eine medizinische Studie zu dem Schluss, dass bei einem Umgebungslärm von 65 Dezibel das Herzinfarktrisiko um über 30% höher ist als bei 60 Dezibel – allerdings nur bei Männern, bei Frauen nicht. Warum das so ist, weiß niemand. Lärm muss nicht laut sein – auch ein tickender Wecker oder ein tropfender Wasserhahn können einen in den Wahnsinn treiben, während das ohrenbetäubende Brüllen eines Gebirgsbachs als natürlich und damit schön empfunden wird. Nur wer mit Geräuschen umzugehen weiß, kann sie ertragen.

Damit es niemandem so gehen muss wie dem 52-Jährigen aus der Zeitungsmeldung, hat Sieglinde Geisel dieses grundlegende und dabei höchst unterhaltsame Geräuschbuch geschrieben, in dem das Verhältnis des Menschen zur Akustik seiner Umwelt über die letzten 2000 Jahre hinweg betrachtet wird. Zahlreiche Ohrenzeugen von Horaz über Lichtenberg, Schopenhauer, Kurt Tucholsky bis John Cage und Hans Magnus Enzensberger kommen zu Wort. Sieglinde Geisel beschreibt auch, was die Menschheit mit und gegen Lärm so alles tut: von der turbulenten Geschichte der Anti-Lärm-Vereine und der Anti-Lärm-Gesetze bis zu dem Paradox, dass die Welt immer lauter wird, weil immer mehr in ihren Autos aus den Städten in die Stille fliehen.

Buchcover: Irrfahrer und Weltenbummler

Sieglinde Geisel
Irrfahrer und Weltenbummler
Wie uns das Reisen verändert

wjs-Verlag
Berlin 2008
Gebunden, 248 Seiten, € 19,90
ISBN 978-3937989389

Goethe reiste noch kaum anders als die alten Griechen und Römer. Mit der Erfindung der Eisenbahn aber begann die Welt zu schrumpfen. Seitdem prägen Bewegung und Fortbewegung, Abfahrt und Ankunft, Reisen durch Raum und Zeit das Gesicht der Moderne. Wer im Hier und Jetzt verharrt, verpasst Chancen, verliert den Anschluss, verhindert sich selbst und den Fortschritt.

Doch längst zeigen sich auch die Widersprüche des Reisens: Wer schnell vorankommen will, muss stillsitzen. Je mehr Menschen vorankommen wollen, desto größer wird der Stau, und die Hoffnung auf gesteigerte Bewegung erweist sich nicht selten als trügerisch: Unsere Verkehrsmittel sind schneller geworden, aber die Fahrt zum Arbeitsplatz dauert immer noch so lange wie vor hundert Jahren der Fußmarsch zur Fabrik. Tritt die mobile Gesellschaft also trotz der Beschleunigung auf der Stelle? Neigt die Mobilität gar dazu, sich selber aufzuheben?

In ihrem klugen Essay folgt die Journalistin Sieglinde Geisel den Spuren der Weltenbummler und Irrfahrer und fragt nach den Träumen, die Menschen zum Aufbrechen veranlasst haben, und nach den Ängsten, die sie dabei überwinden mussten. Sie erinnert an Geschichtliches und Mythisches und schlägt den Bogen in die Gegenwart. Dabei wird offenbar, was Skeptiker immer schon ahnten: Der grenzenlos mobile Mensch ist nirgends anwesend und nie ganz gegenwärtig. Manchmal beschleicht ihn sogar der Verdacht, das Entscheidende finde ohne ihn statt.

Sieglinde Geisel, selbst mehr Weltenbummlerin als Irrfahrende, hat ein kurzweiliges, pointiertes Buch geschrieben, das jedem Reisenden ins Gepäck gelegt werden sollte.

Sieglinde Geisel
McDonald’s Village
Mit Illustrationen von Katrin Laskowski
Schriftenreihe der Vontobel-Stiftung
Juni 2002
(vergriffen)

Amerika ist der Fixstern der westlichen Welt. Was macht seine Anziehungskraft aus? Am Beispiel des Siegeszugs von McDonald’s erforscht Sieglinde Geisel die Mechanismen der Amerikanisierung. Es ist ein wechselseitiges „push“ und „pull“. Wir wollen den globalisierten Hamburger, wir schauen uns Hollywood-Filme an, und wir würzen unsere Sprache mit coolen und albernen Amerikanismen – aber der amerikanische Lifestyle wird uns auch aufs Auge gedrückt. Mit effektvoller Werbung fängt McDonald’s seine Kunden, mit einer genialen Struktur wird dafür gesorgt, dass der Big Mac wirklich überall gleich schmeckt und also dem Reisenden überall ein diffuses Heimatgefühl garantiert. „McDonald’s Village“ ist ein Essay über Amerika-Träume und über das Wesen des Konsums.